Die Geschichte der katholischen Kirche St. Michael, Siegen



Die Anfänge der Kirche und Pfarrei St. Michael

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wuchs die Anzahl der Katholiken in Siegen auf etwa 7000, die alle zur Pfarrei St. Marien gehörten. Aufgrund dieser für eine Gemeinde viel zu großen Zahl an Gemeindemitgliedern beschloss der Kirchenvorstand im Februar 1899, im Norden der Stadt ein Grundstück zu kaufen, das sich für den Bau einer zweiten katholischen Kirche in Siegen eignen sollte.

Nach vielen Gutachten und Untersuchungen kamen zwei Grundstücke in die engere Wahl, eines in der Emilienstraße und eines gegenüber dem Marienkrankenhaus am Kampen. Nach einigen Unstimmigkeiten einigte man sich auf den jetzigen Standort, obgleich man wusste, dass der Bau an einem Abhang sehr hohe Baukosten verursachen werde.

Nach Sichtung der Entwürfe und Gutachten sowie der Untersuchung des Baugeländes wurde am 11.10. 1903 der Grundstein durch den damaligen Dechant Vollmer aus Netphen gelegt. Schon Ende 1905 war der Rohbau fertiggestellt, am 7.1. 1906 vollzog Pfarrer Wiese von St. Marien die Benediktion des Altares, so dass ab dato Gottesdienste in St. Michael gefeiert werden konnten. Am 7.8. 1906 weihte Bischof Dr. Wilhelm Schneider aus Paderborn feierlich den Altar. Dieser Tag darf somit als Geburtstag der Kirche und Gemeinde St. Michael gelten.

Die Wahl des Schutzpatrons entsprach dem Wunsch des damaligen Pfarrers Wiese, der zu einigen dem heiligen Erzengel Michael geweihten Kirchen eine persönliche Bindung und ein enges Verhältnis hatte. Außerdem war die Burgkapelle des Oberen Schlosses dem heiligen Michael geweiht und auch der Hauptaltar der Nicolaikirche trug vor der Reformation den Namen des Erzengels.

Bis 1918 war St. Michael Pfarrvikarie von St. Marien. Am 1.6. 1918 wurde sie offiziell zur „Filialkirche“ erhoben, was das Recht auf eigene Vermögensverwaltung und Korporationsrechte mit sich brachte. Am 1.11. 1920 wurde St. Michael eigenständige Pfarrei, Johannes Zengerling, der bisherige Pfarrvikar, wurde erster Pfarrer von St. Michael.



Von der Errichtung der Pfarrei bis zum Ende des 2. Weltkrieges

Die Amtszeit des zweiten Pfarrers Heinrich Peine begann im Jahre 1930 durch den überraschend frühen Tod von Pfarrer Zengerling. Zunächst bestimmten hoffnungsvolle und frohe Zeichen seine ersten Jahre wie z.B. die 25-Jahrfeier der Konsekration der Kirche und der Beschluss des St.-Josef-Kirchenbauvereins, in Kaan-Marienborn eine dem Hl. Bonifatius geweihte Kirche zu bauen, die 1933 fertig gestellt wurde.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden Pfarrprozessionen nur sehr unwillig genehmigt und in den folgenden Jahren schon nicht mehr erlaubt. 1935 wurde Pfarrer Peine zum nebenamtlichen Standortpfarrer ernannt und die St.- Michaels-Kirche in eine Garnisonskirche für eine Militärgemeinde umfunktioniert, die zeitweise bis zu 3000 Mann stark war. Trotz widriger Umstände wurde 1937 das Pfarrhaus errichtet und 1939 eine zweite Vikarsstelle eingerichtet, um die Seelsorge und das Gemeindeleben zu verstärken.

Nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurden zunehmend mehr junge Männer zum Kriegsdienst eingezogen, unter anderen auch der 2. Vikar, Josef Löcker. 1940 starben die ersten Soldaten aus der Gemeinde St. Michael..

Im Herbst 1941 wurde die Filiale Kaan-Marienborn zur Pfarrvikarie erhoben, Vikar Friedrich Lohmann wurde der erste Pfarrvikar von St. Bonifatius. Gleich zu seiner Einführung brachte ihn eine nicht genehmigte Sammlung in den Kontakt mit der Gestapo, die die Grundstücke des St.-Josef-Vereins beschlagnahmte und den Pfarrer sowie die Mitglieder des Kirchenvorstandes verhörte. Ein aus diesem Grund angesetzter Prozess verlief aufgrund des Kriegsereignisse glücklicherweise im Sande. Weitere staatliche Eingriffe in dieser Zeit bezogen sich auf das Läuten, den Beginn der Gottesdienste und die Fronleichnamsprozession.

Am 1.4. 1941 wurde die Station der Schönstätter Marienschwestern eingerichtet. Vor allem die schwierige Situation des inzwischen aus der Schule verbannten Religionsunterrichtes hatte Pfarrer Peine den Gedanken nahegelegt, sich um Ordensfrauen zu bemühen. Die ersten Schwestern (Schw. Therese Thebille und Schw. Elsbeth Steinwand) übernahmen neben dem Unterricht auch den Küsterdienst und Kindergruppen. Das Amt der Organistin wurde 1941 Frau Anna Rath übertragen, die es bis 1979 mit großem Eifer und Engangement ausführte. 1976 wurde sie für ihre Verdienste um die Kirchenmusik mit dem päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ ausgezeichnet.

In den Jahren 1942/43 kam es immer häufiger zu Fliegeralarm, am 17.9. 1944 fielen die ersten Bomben, die einige Kirchenfenster zerstörten. Am 16.12. 1944 fand der große Luftangriff auf Siegen statt, der 80% der Siegener Innenstadt zerstörte. Bei diesem Angriff wurde St. Michael schwer beschädigt, Pfarrer Peine schwer verletzt, das Pfarrhaus brannte vollständig aus, die Chronik und alle Kirchenbücher gingen verloren. Zwei weitere Fliegerangriffe am 29.1. und 1.2. 1945 zerstörten das bisher notdürftig Reparierte. Am 1.4. 1945 wurde Siegen von den Amerikanern besetzt. Pfarrer Peine, nach einem Genesungsurlaub wieder nach Siegen zurückgekehrt, fühlte sich so schwach, dass er auf eigenen Wunsch pensioniert wurde. Er ist am 4.12. 1959 in Paderborn gestorben. 3. Pfarrer und Nachfolger von Pfarrer Peine wurde Johannes Wiemann.



Wiederaufbau und Gemeindeleben nach dem Krieg

Nach dem Krieg war die Gemeinde weitgehend zerstört, sie musste neu gesammelt und aufgebaut werden. Man begann, die Gottesdienste neu zu ordnen, mit der Wiedereinrichtung des Religionsunterrichts, Herausgabe eines wöchentlichen Pfarrbriefes und vielem mehr. Am wichtigsten aber war die Arbeit für die Notleidenden. Mit beispielloser Energie wurde dazu die Caritasarbeit wieder in Gang gesetzt, die von St. Michael aus in das gesamte Dekanat hineinwirkte

Am 16.6. 1946, 1 ½ Jahre nach der Zerstörung der Kirche, wurde der Gottesdienst wieder feierlich in St. Michael aufgenommen. Vorübergehend benutzten evangelische Christen die Kirche zum Gottesdienst.

In der Folgezeit prägten zwei Schwerpunkte das Gemeindeleben: Zum einen die zahlreichen Aktivitäten der Vereine und zum zweiten die fast jährliche stattfindenden religiösen Wochen für die Gemeinde. Weiterhin wird die Jugendarbeit durch die Ansiedelung der Pfadfinder in St. Michael ausgebaut. Jedes Jahr wurde unter ein bestimmtes Motto bestellt. Nach und nach konnten Pfarrhaus, Pfarrvikarie und Kindergarten wieder bezogen werden. 1949 wurde das „St. Michaelsheim“, ein Wohnheim für 50 heimatlose Jungen, in der Elisabethstraße eingeweiht. Unter gleichem Zweck folgte 1952 „Maria Rast“ auf dem Giersberg.

Am 16.12. 1951 wurde der neue Altar in dem umgestalteten Chorraum von Erzbischof Dr. Lorenz Jäger aus Paderborn konsekriert. 1953 wurden die Räume unter der Terrasse fertiggestellt (Raum 1 etc.), 1958 folgten die heutigen Pfadfinderräume, 1959 wurde das Michelsheim zu Wohnungen umgebaut, 1962 wurde der Kindergarten erweitert, 1963 entstand das Spanierheim und 1966 wurde „Maria Rast“ in Wohnungen und einen zweiten Kindergarten umgestaltet.

Durch das II. Vaticanum und die daraus hervorgegangene Liturgiereform bekräftigt, beschloss der Kirchenvorstand 1969, die Kirche grundlegend zu renovieren, in deren Zuge die Kriegsschäden beseitigt und die Kirche an die neuen liturgischen Erfordernisse angepasst werden sollte. Mit der Renovierung der Orgel, die 1970 abgeschlossen wurde, war auch dieses umfangreiche Vorhaben vollendet.

Nach fast 30-jähriger Tätigkeit verließ Pfarrer Wiemann am 27.04.1974 seine Gemeinde, um in Castrop-Rauxel Aufgaben im Heim der Schönstattbewegung zu übernehmen.

Am 1.12. 1974 wurde Pfarrer Karl Suermann von Dechant Krah als vierter Pfarrer von St. Michael in sein Amt eingeführt.



„Generationswechsel“: Die 70er und 80er Jahre


Neben der Einführung Pfarrer Suermanns gab es auch einige andere personelle Veränderungen: Vikar Dr. Hentze wurde als Bischofskaplan nach Paderborn berufen, für ihn kam Ludger Grewe, der zuvor in Lippstadt tätig war. Auch in der Filialgemeinde St. Bonifatius wurde ein neuer Vikar eingeführt: Herr Pastor Josef Röttger übernahm die Stelle des scheidenden Vikars Überdick.

1975, durch den apostolischen Stuhl in Rom als Heiliges Jahr proklamiert, wurde das Pfarrhaus grundlegend renoviert. Auch das Pfarrbüro wurde völlig neu eingerichtet. So wurde die Telefonanlage modernisiert, ebenso der Schreibtisch und Aktenschränke. Mit der Anschaffung eines „Offset-Druckgerätes“ wurde die Einrichtung des Büros auf den damaligen technischen Standart gehoben. Verstärkung erhielt das Seelsorgeteam durch den Praktikanten Ralf Weber (aus Hohenlimburg), der sich auf den Beruf des Gemeindereferenten vorbereitete. Am 17.8. 1975 feierte Pater Albert Stettner, der aus St. Michael stammte, sein goldenes Priesterjubiläum. Dieses fröhliche Ereignis wurde im Dezember 1975 durch den Tod des ebenfalls aus St. Michael stammenden Pfarrers Alfons Wurm (Winterberg) überschattet, der durch einen Verkehrsunfall ums Leben kam. Die Pfarrwallfahrt führte 1975 nach Castrop-Rauxel-Frohlinde, der neuen Wirkstätte Pfarrer Wiemanns, der 1974 die Gemeinde St. Michael verlassen hatte. Am 1. Adventssonntag des Jahres wurde das neue „Gotteslob“ in der Pfarrei eingeführt. Es bestand eine „zufriedenstellende Bereitschaft“ (Chronik der Pfarrgemeinde), das neue Gesangbuch als Grundlage der Gestaltung der Gottesdienste anzunehmen.

1976 war geprägt durch die Visitation des neuen Erzbischofs von Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt, der 1974 inthronisiert worden war. Er spendete in der Pfarrei das Sakrament der Firmung. Auch in diesem Jahr war eine schwerwiegende Aufgabe zu bewältigen: Das Dach der Kirche war durch die notdürftige Instandsetzung nach 1945 und Witterung baufällig geworden und musste dringen renoviert werden, wenn nicht Folgeschäden im Kircheninneren in Kauf genommen werden wollten. Für die Finanzierung wurden zahlreiche Sammelaktionen durchgeführt, wie z.B. der Haustürverkauf von Bausteinen. Durch viel Engagement war es möglich, dass von Jahresbeginn bis Jahresende 1976 der Großteil des von der Gemeinde zu tragenden Kostenanteils aufgebracht werden konnte. Neben den Dachreparaturen wurden auch die beiden Kindergärten grundlegend renoviert. Am diesjährigen Pfarrfest wurde die langjährige Organistin Anna Rath für ihre Verdienste um die Kirchenmusik mit dem päpstlichen Orden „Pro Ecclesia Et Pontefice“ ausgezeichnet. Herr Vikar Ludger Grewe wurde gleichzeitig verabschiedet, da er ab 1.10.1976 zum Pfarrer von Erwitte ernannt worden war. Der Priestermangel sorgte dafür, dass erst am 13. Januar ein neuer Vikar ernannt werden konnte: Vikar Hans-Ulrich-Stahl wurde neuer Vikar von St. Michael und St. Marien und trat seinen Dienst am 20.2. 1977 an. Die Begeisterung beider Gemeinden über diese Lösung hielt sich sehr in Grenzen.

Die Situation erfuhr eine dramatische Verschlechterung, als im Sommer 1977 Pfarrer Rath aus St. Marien aus Altersgründen seinen Rücktritt erklärte. Pfarrer Suermann wurde daraufhin bis zur Ernennung eines neuen Pfarrers zum Pfarrverweser von St. Marien ernannt.

Im Jahre 1978 starb Papst Paul VI., der das II. Vaticanum einberufen hatte. Sein Nachfolger, Papst Johannes Paul I. starb nach nur 34 Tagen seines Pontifikates. Der polnische Erzbischof von Krakau Karol Kardinal Wojtyla wurde als Papst Johannes Paul II. auf den Stuhl des Hl. Petrus berufen. Er war damit der 264. Nachfolger des Apostels. Am 15.1. 1978 wurde Herr Hubert Baader als neuer Pfarrer von St. Marien eingeführt. Ein Vierteljahr später, am 6.4. 1978 starb der frühere Pfarrer Rudolf Rath. Frau Anna Rath schied aus Altersgründen und nach 36-jähriger Dienstzeit als Organistin von St. Michael aus.

1979 wurde Pfarrer Suermann zum neuen Dechant des Dekanates Siegen gewählt. Der Neupriester Heinz Koch löste den bisherigen Vikar Ulrich Stahl in St. Michael und St. Marien ab. Herr Bernhard Burbach aus Betzdorf übernahm die vakante Organistenstelle in St. Michael. Am 16. März feierte der frühere Pfarrer Wiemann sein goldenes Priesterjubiläum in einem festlichen Gottesdienst in St. Michael. Im Dezember 1979 erweiterte sich das Pfarrgebiet St. Michael um die Ortschaften Breitenbach und Feuersbach. Die Seelsorge wird von St. Bonifatius in Kaan-Marienborn mit übernommen.

Im Jahre 1980 wird die Telefonseelsorge im Siegener Dekanat eingeführt. Sowohl die evangelischen als auch die katholischen Gemeinden beteiligen sich daran. Rund um die Uhr ist einer der 50 Seelsorger telefonisch erreichbar. Frau Inge Mühlmeyer gründete im April 1980 einen Singekreis für Kinder. Pfarrer Suermann setzte sich dafür ein, die Zahl der Kommunionhelfer in St. Michael deutlich zu erhöhen, um das Laienengagement zu fördern und den Priester in solchen Angelegenheiten zu entlasten. Der Erzbischof ernannte daraufhin vier neue Kommunionhelfer für St. Michael. Auch in diesem Jahr stand eine Renovierung an: das Spanierheim bedurfte einer grundlegenden Sanierung, die maßgeblich durch das Erzbistum Paderborn und die Stadt Siegen finanziert wurde. Auch die Jugendeinrichtungen und –verbände forderten eine Erweiterung ihrer Räume und Möglichkeiten. Hauptereignis in diesem Jahr war der Papstbesuch Johannes Paul II. in München, zu dem auch viele Gemeindemitglieder aus St. Michael pilgerten.

1981 feierte St. Michael das 75-jährige Bestehen. Die Herausgabe einer Festschrift, zahlreiche Konzerte über das Jahr verteilt und andere außergewöhnliche Ereignisse begleiteten das Jubiläum. Einer der Höhepunkte war der Pfarrfamilienabend im Haus der Siegerländer Wirtschaft und der Festgottesdienst am darauffolgenden Sonntag (Pfarrfest). Hauptzelebrant war der Paderborner Generalvikar Bruno Kresing. Die Krypta der Kirche musste dringend renoviert werden. Neben den notwendigen baulichen Arbeiten wurde auch die Ausstattung der Krypta erneuert. So wurde ein neuer Altar aufgestellt, der 1982 von Erzbischof Degenhardt konsekriert wurde. Der Altar enthält Reliquien des frühchristlichen Märtyrers Felicissimus (+ 258) und der Hl. Hildegard von Bingen. Auch der Tabernakel wurde neu angefertigt und der Raum durch Holzschnitte des alten Hochaltares der Kirche, die als Kreuzweg im Hauptschiff angebracht wurden, bereichert. Zusätzlich überließ der Erzbischof der Gemeinde eine Madonna aus Lindenholz als ständige Leihgabe für die Krypta. Neben der Renovierung der Krypta wurde das Jugend- und Pfarrheim grundlegend erneuert. Die Filialgemeinde St. Bonifatius in feierte 1983 das 50-jährige Bestehen. Am 3.3. 1983 übertrug der WDR einen Gottesdienst aus St. Michael. Zusätzlich beging Pfarrer Suermann in diesem Jahr sein silbernes Priesterjubiläum mit einem festlichen Gottesdienst am 26.6. 1983. Vikar Koch verließ St. Michael, um als Pfarrer in Geseke zu wirken. Sein Nachfolger in St. Michael wurde der Neupriester Klaus Fussy.

1984 wurde die Renovierung der Krypta mit der Aufstellung und Einweihung der neuen Orgel, gefertigt von der Orgelbaufirma Mebold, abgeschlossen. Der damalige Organist Benhard Burbach stellte die neue Orgel vor. Musikalisch mitgestaltet wurde die feierliche Weihe durch den Kammerchor St. Joseph, Weidenau, unter der Leitung von Franz-Josef Breuer. Kirchenpolitisch sorgte die Einweihung eines „Gotteshauses“ der Anhängerschaft um den enthobenen Bischof Lefebvre in Siegen für Aufsehen. In Sorge um die Einheit des Glaubens im Dekanat Siegen rief Erzbischof Degenhardt in einem Brief an alle katholischen Gemeinden im Dekanat zur Treue gegenüber der einen römisch-katholischen Kirche und ihrer Priester auf. Am 2. Oktober 1984 verstarb der frühere Pfarrer Johannes Wiemann an den Folgen eines Herzinfarktes. Er war dreißig Jahre Pfarrer an St. Michael und half in den schweren Nachkriegsjahren neben der Seelsorge, die ihm stets das Hauptanliegen war, beim Neuaufbau der Kirche, des Pfarrhauses, der Kindergärten und vielen weiteren Projekten. Nach seinem Willen wurde er am 8. Oktober auf dem Hermelsbacher Friedhof beigesetzt.

Ein weiteres Großprojekt begann sich bereits im Jahre 1985 abzuzeichnen: Die äußere und innere Renovierung der Pfarrkirche. Schon seit längerem traten Risse im Gewölbe auf, die beständig an Zahl und Größe zunahmen. Das Erzbistum erteilte den Auftrag, die Herkunft der Risse zu untersuchen. Vorbeugend wurden die „Sonderkollekten“ unter dem Stichwort „Kirchbau St. Michael“, die zur Zeit der Kryptarenovierung eingeführt worden waren, weitergeführt. Zur Bereicherung der Kirchenmusik wurde unter der Leitung von Franz-Josef Breuer (St. Joseph, Weidenau) eine Schola gegründet, die auch heute (neugegründet) noch Gottesdienste und hohe Messen wertvoll unterstützt.

1986 war durch Jubiläen geprägt: Der Siegener Stadtteil Bürbach, dessen katholischer Bevölkerungsanteil zu St. Michael gehört, feierte in diesem Jahr seinen 650. Jahrestag der urkundlichen Ersterwähnung. Das Jubiläum wurde mit einem Festgottesdienst im evangelischen Gemeindeheim Bürbach begangen. Gleichzeitig konnte der Kolpingschor Siegen auf 100 Jahre Bestehen zurückblicken. Aus diesem Grunde veranstaltete das Kolpingwerk Paderborn das alle zwei Jahre stattfindende Treffen der Kolpingchöre in der Weißtalhalle in Siegen/Kaan-Marienborn. Vikar Klaus Fussy verließ 1987 die Gemeinde, um eine Pfarrstelle in Neustadt zu übernehmen. Sein direkter Nachfolger wurde der Neupriester Hubert Rempe. Am 5.1. 1987 starb Frau Anna Rath, die langjährige Organistin von St. Michael. Seit 1941 bis 1978 hatte sie das Amt mit Aufopferung und Freude ausgeübt. 1988 schied die langjährige Leiterin des Kindergartens „St. Michael“ Schwester Bernhardita Hellinge nach 14 Jahren aus dem Amt. Nachfolgerin wurde Schwester M. Hortilde Olbing. Im gleichen Jahr feierte die DPSG St. Michael ihr 40-jähriges Bestehen. In einem Zeltdorf auf dem Grundstück „Plücker“ und in den Räumen des Pfarrheims „Unter der Terrasse“ fand bereits am Freitag vor dem Pfarrfest ein Abend für Ehemalige und die gesamte Gemeinde statt. Ebenfalls konnte die Kolpingsfamilie Siegen auf 125 Jahre Bestehen zurückblicken. Durch zahlreiche Veranstaltungen im gesamten Jahr wurde dem Jubiläum gedacht. Das Hauptereignis aber bestand im Neubau eines Pfarrheims. Mit dem zur Verfügung stehenden ehemaligen Grundstück „Plücker“ bestand die Chance, ein ideal gelegenes (direkt neben der Kirche) Grundstück zu erwerben, um darauf ein neues Pfarrheim bauen zu können. Zur Finanzierung wurde der „Bauverein St. Michael“, gegründet, dem möglichst alle Gemeindemitglieder beitreten sollten. Aus diesem Grund stand auch das Pfarrfest 1989 unter dem Motto „Ein Haus für St. Michael“.



Die Zeit der großen Renovierung: Die 90er Jahre bis heute

Vor allem zwei einschneidende Ereignisse prägten diese Zeit: Zum einen die langjährige und kostenintensiver Renovierung der Kirche von innen und außen. Diese war notwendig geworden, da St. Michael, vor allem aufgrund der Witterungsbedingungen und des sauren Regens, der den Bruchstein angriff, mit den Jahren baufällig geworden war. Zum anderen aber auch der Weggang des Pfarrers Karl Suermann im Jahre 1990. Er verließ auf Wunsch des Erzbischof St. Michael, um die Gemeinde St. Katharina in Unna zu übernehmen. Viele Gemeindemitglieder fanden die Entscheidung des Bischofs unverständlich. Pfarrer Suermann war von 1974-1990 Pfarrer an St. Michael und feierte am 2. Adventssonntag (9.12. 1990) seine letzte Messe in seiner Gemeinde.

Nach langer Planungsphase konnte mit dem Bau des neuen Pfarrheims begonnen werden. Der Grundstein wurde am 30.9. 1990, dem Pfarrfest, gelegt. Am 5. Mai des Jahres 1991 wurde das neue Pfarrheim von dem neuen Pfarrer Wolfgang Winkelmann, der am 20. Januar 1991 von Dechant Walter Junk feierlich in sein Amt eingeführt und von der Gemeinde in einem anschließenden Empfang herzlich willkommen geheißen wurde, eingeweiht. Verbunden mit der Einweihung war ein kleines Gemeindefest.

Auch in der Kirchenmusik fand 1991 ein außergewöhnliches Konzert statt: Mit der Aufführung der „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi, vorgetragen vom Bachchor Siegen (Leitung: Ulrich Stötzel) und der Gregorianikschola (Leitung: Franz-Josef Breuer) wurde ein hochkarätiges Konzert in St. Michael geboten.

Ein weiterer personeller Wechsel bestand im Weggang von Vikar Hubert Rempe. Sein Nachfolger wurde der Neupriester Hubertus Rath. Verstärkung erhielt das Seelsorgeteam 1993 zusätzlich durch die Neuanstellung von Frau Anne Burghardt (später Nähring), die als Gemeindereferentin hauptsächlich in St. Bonifatius tätig sein sollte. Auch im Pfarrbüro gab es Veränderungen: Nach 20-jähriger Dienstzeit schied die bisherige Pfarrbürosekretärin Frau Maria Vitt zum 1. Februar 1994 aus dem Amt. Ihre Nachfolgerin wurde Frau Hannelore Stein.

Die schon lange geplante und notwendige Außenrenovierung der Pfarrkirche wurde 1993 angegangen. Äußere Zeichen dafür war der Aufbau von Baugerüsten um den Westturm. Neben der Kirchenrenovierung wurde auch der Kindergarten „Maria Rast“ umfangreich erneuert. Der St. Josefs-Verein in Kaan-Marienborn feierte sein 80-jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stand die Einsegnung einer 163cm großen holzgeschnitzten Josefs-Statue. Am 5. September des Jahres begann Diakon Jürgen Bischoff seinen Dienst in St. Michael. Eine weitere Vergrößerung des Seelsorgeteams fand mit der Weihe von Herrn Egon Klein zum Diakon statt. In einem Festhochamt am 20. November wurde er der Gemeinde vorgestellt.

1995 konnte Herr Pastor Josef Röttger aus St. Bonifatius sein silbernes Priesterjubiläum feiern. Herr Diakon Jürgen Bischoff verließ Ostern 1995 nach Ablauf seiner Dienstzeit unsere Gemeinde wieder. Er wurde am 3. Juni in Paderborn zum Priester geweiht und feierte am 17. Juni seine Nachprimiz in St. Michael. Ende Juni verließ auch Vikar Hubertus Rath nach vier Jahren Dienst die Gemeinde. Sein Weggang wurde als herber Verlust empfunden. Nachfolger wurde Dieter Moors, der am 1. Juli 1995 eingeführt wurde.

Hauptereignis war die Genehmigung des Bauabschnitts I der Kirchenrenovierung (Westturm) durch das Generalvikariat Paderborn im April 1995. Bereits im Juni sollte mit den Arbeiten begonnen werden, die das Mauerwerk, welches durch Witterungseinflüsse porös und massivst baufällig geworden war, grundlegend erneuern sollten. Nachdem die Gerüste zwei Jahre mehr oder minder statistisch gestanden haben, herrschte nun emsiger Betrieb. .Die Arbeiten gingen zügig voran und im März des Jahres 1996 sollte das Geläut laut Planung wieder einsatzbereit sein. Am 11.3. 1996 allerdings verließen die Arbeiter die Baustelle, da ihre Firma in Konkurs gegangen war und der ultimative Termin (21.3. 1996) zum Weiterbau verstrich. Nach sofortiger Kündigung des Vertrages und Vergabe an neue Firmen wurden die Arbeiten erst Ende April wieder aufgenommen. Bedingt durch die Renovierung der Kirche, fand die letzte Fronleichnamsstation und abschließende Eucharistiefeier auf dem Schulhof der Albertus-Magnus-Schule statt. Auch fand ein Benefizkonzert zugunsten der Renovierung statt. Die vereinigten Schulorchester der Gymnasien „Am Löhrtor“ und „Am Rosterberg“ unter Leitung von Ludwig Wienand musizierten Werke von Mozart, Danzi, Schubert und anderen. St. Michael feierte in diesem Jahr das 90-jährige Bestehen der Gemeinde (am 7.8. 1906 wurde die Kirche durch Bischof Schneider aus Paderborn geweiht). Dem wurde in einem Festgottesdienst und üppig gestalteten Treff am Sonntag gedacht. Am Fest Allerheiligen des Jahres 1996 läuteten nach 1 ½-jährigem Verstummen die Kirchenglocken im fertig gestellten Westturm wieder.

Der vorläufig letzte Teil folgt demnächst ......